Die grüne Opposition wird zehn

AUSSERRHODEN. Der Verein Grünes Appenzellerland wurde 2004 in Trogen gegründet. In den ersten Jahren trat die Partei prominent bei National- und Regierungsratswahlen in Erscheinung. In Zukunft will sich sich in einem politischen Amt beweisen.

MICHAEL GENOVA

«Manchmal gibt es auch eine andere Stimme, die dem Kanton guttut», sagt Nils Epprecht, Vorstandsmitglied von Grünes Appenzellerland (Gral). Wichtige politische Ämter habe seine Partei zwar nicht erringen können, durch ihre Stimme habe sie den Kanton aber reicher gemacht. Angetreten war die Gruppierung mit einer klassisch grünen Agenda: «Das Grüne Appenzellerland setzt sich ein für gesunde Lebensbedingungen, eine umweltgerechte Zukunft sowie weltweite Gerechtigkeit und Solidarität.»

Am 14. August 2004 wurde auf der Hohen Buche in Trogen ein Höhenfeuer entzündet und der Verein Grünes Appenzellerland (Gral) gegründet. Geburtshelferin war die grüne St. Galler Nationalrätin Pia Holenstein, Taufpate der St. Galler Stadtrat Albert Nufer. Den ersten Vorstand bildeten Tim Walker (Trogen), Berta Scheuss (Waldstatt), Julia Meier (Rehetobel) und Samuel Büechi (Trogen).

Das Los der kleinen Partei

In den ersten Jahren machte die Partei mit einer Petition für ein nationalstrassenfreies Appenzellerland auf sich aufmerksam, beschäftigte sich mit der Trinkwasserversorgung in Trogen und Speicher oder engagierte sich gegen den Bau neuer Atomkraftwerke. Doch das Majorzwahlverfahren und der traditionell grosse Anteil parteiunabhängiger Politiker machte es der jungen Partei besonders schwer, in der Ausserrhoder Parteienlandschaft Fuss zu fassen. Im Dezember 2009, fünf Jahre nach ihrer Gründung, hielt der Vorstand fest: «Da wir als junge Partei nicht im kantonalen Parlament vertreten sind, (…) sehen wir uns als sogenannte ausserparlamentarische Opposition.»

«Der grüne Aussenseiter»

Einen ersten, grossen Achtungserfolg erzielte Gral 2011, als Samuel Büechi für den Nationalrat kandidierte. Der Unternehmer und Wissenschafter aus Trogen trat gegen Regierungsrat Köbi Frei (SVP), Max Nadig (CVP) und Andrea Caroni (FDP) an. Zwar schätzte Büechi seine Chancen selbst als gering ein, während des Wahlkampfes machte er jedoch immer wieder mit pointierten Statements auf sich aufmerksam. Die Appenzeller Zeitung schrieb damals über ein Wahlpodium: «Der grüne Aussenseiter belebt die Szenerie vorteilhaft.» Andrea Caroni gewann die Wahl schliesslich mit 8970 Stimmen, Büechi erzielte immerhin 1114 Stimmen. Noch besser schloss Büechi ab, als er im März 2013 für den Ausserrhoder Regierungsrat kandidierte. Damals holte er 2985 Stimmen, was einem Stimmenanteil von 18 Prozent entsprach.

Zwei weitere Versuche, ein politisches Amt für das Gral zu erringen, unternahm Tim Walker. Der Trogner kandidierte 2011 für den Kantonsrat und 2013 für das Obergericht – beide Male ohne Erfolg.

Partei will sich beweisen

Die ersten zehn Jahre seien davon geprägt gewesen, dass die Partei auf sich und ihre Ideen aufmerksam gemacht habe, sagt Nils Epprecht. Nun beginne die zweite Phase. «Wir müssen zeigen, dass wir in einem Amt etwas liefern können.» Deshalb wolle die Partei bei Wahlen dort antreten, wo sie reelle Chancen habe. Epprecht erwähnt die Kantonsratswahlen 2015, vakante Sitze in Gemeinderäten, kann sich aber auch vorstellen, dass sich ein grüner Kandidat in einer Schulgemeinde engagiert. «Unser Problem besteht darin, Kandidaten für einen Wahlkampf zu motivieren», so Epprecht. Der Politiker muss es wissen: Auf Ende 2014 tritt er aus dem Parteivorstand zurück und sucht noch einen Nachfolger.

Feier: 10 Jahre Grünes Appenzellerland, Freitag, 15. August, ab 17 Uhr, in der Rab-Bar in Trogen.
Quelle: http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/kantonappenzell/auszeitung/at-au/Die-gruene-Opposition-wird-zehn;art120092,3918376

Bild: Das Grüne Appenzellerland schickte 2011 den Mitbegründer der Partei, Samuel Büechi (3. v. l.), ins Rennen um den Ausserrhoder Nationalratssitz. Auf dem Bild zu sehen ist sein Wahlkomitee: Der ehemalige St. Galler Kantonsrat Albert Nufer, Emanuel Büechi, Yannick Vogt und Tim Walker. (Bild: Bruno Eisenhut)

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